Vereins-Chronik

 „Harmonie“ ist der Name des Musikvereins, der in diesem Jahre auf dein 50jähriges Bestehen zurückblickt und dieses Jubiläum feierlich begeht. Diese Zahl besagt aber nicht, dass erst zu diesem Zeitpunkt in unserem Dorf die Instrumentalmusik gepflegt worden sei. Wissen doch unsere Alten zu erzählen, dass bereits im vergangenen Jahrhundert solch kleine improvisierte Kapellen bestanden. Dank der tatkräftigen Bereitwilligkeit des Ehrenvorstandes Georg Klenk, der keine Mühe scheute, die ältesten Mitglieder zu konsultieren, konnte erschöpfendes Material gesammelt werden, das uns Einblick gibt in jene Epoche, aus welcher keine Niederschriften zeugen, weil zeitüblich irgendwelche Protokolle damals nicht geführt wurden.

Bereits von den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts soll eine kleine Musikgilde von 4 Mann hier bestanden haben. Es war mehr oder minder eine Art Streichkapelle, deren Leider die Idee des Musizierens aus der Fremde mitbrachte. Das große Streichbaßinstrument, an welches sich manch überlieferte Legende knüpft, ist noch Jahrzehnte erhalten gewesen.

Nach 1875 ist dann schon die Rede von einer größeren Musikgruppe, als deren Dirigent ein gewisser Braun genannt wird. Es war die Vorläuferin unserer jetzigen Blaskapelle und formierte sich aus 2 Hörnern, 2 Trompeten, 2 Klarinetten und 1 Baß. Ausübende waren die beiden Brüder Lang, Gebrüder Kleinath, Seitz, Haas und Ratschreiber Hacker. In ihrer Art galt diese Kapelle als eine der ältesten der unteren Hardt, die zu jeder Kirmes in der näheren und weiteren Umgebung aufspielen musste und auch ansonsten bei lokalen Anlässen in Graben, Huttenheim, Rheinsheim, Germersheim und Sondernheim engagiert wurde.

In der Folgezeit fanden sich im Dorfe immer mehr aktive Musikfreunde zusammen, bis sich dann um die Jahrhundertwende die Kapelle in 2 Musikgruppen spaltete, aus welcher zweiter später der Arbeiter-Musikverein hervorging. Trotz dieser Trennung bestand zwischen beiden ein harmonisches Einvernehmen, oft halb sich bei größeren Festen gegenseitig aus.

Doch wie es mitunter zu geschehen pflegt, lassen sich bei Verbänden mit gleichen Zielen kleinere Misshelligkeiten, ob sachlicher oder persönlicher Art, nicht immer vermeiden. So brachte das Jahr 1927 die Initiative zur Vereinigung der beiden Gruppen und die Bildung einer organisierten Kapelle. Am 19. Mai wurde in einer Hauptversammlung, bei welcher ein Werbungskonzept des Musikvereins Wiesental stattfand, von den 36 anwesenden Mitgliedern dieser Beschluss gefasst. Es ist der Geburtstag und das Gründungsjahr unseres heutigen Musikvereins. Erstmals erhielt er einen Namen, die symbolische Bezeichnung „Lyra“. Während man Theodor Roth als Ehrenvorstand vorschlug, wurde Emil Haushalter zum 1. Vorsitzenden gewählt und als Dirigent Lorenz Rolli aus Wiesental, welcher beim Werbekonzert ebenfalls mitwirkte, bestimmt.

Da 1929 nochmals eine zweite Kapelle gebildet wurde, stand man 1933 im Zuge der Gleichschaltung wiederum vor der Alternative eines Zusammenschlusses. Der Verein erhielt jetzt den bis heute noch erhalten gebliebenen Namen „Harmonie“. Vielleicht ist es nicht von ungefähr, dass gerade dieser sinnige Titel gewählt wurde; bedeutet er doch Zusammenklang, Übereinstimmung. Bis zum 2. Weltkrieg nahm der Verein quantitativ und Qualitativ einen ansehnlichen Aufstieg. Vorstände während dieser Zeit waren:
Emil Haushalter, Georg Klenk, Ludwig Roth und Hugo Reinacher.
Als Dirigenten amtierten:
Lorenz Rolli, Karl Melder, Leopold Löhlein, Willi Seitz, Hauptlehrer Wilhelm Ehrhard, Eugen Rotelitz und Friedrich Dürr.

Dieser zweite Weltkrieg brachte für unser Vereins- und Musikleben eine jähe Unterbrechung. Wurden doch die meisten Mitglieder zum Heeresdienst einberufen und leider auch viele Opfer dieses Völkerringens. Erst im September 1946 konnte man sich entschließen, die Musikproben wieder aufzunehmen, nachdem die erforderliche Genehmigung der Militärregierung eingeholt war. Am 27. Januar 1947 legte dann die Kapelle die obligatorische musikalische Prüfung in Karlsruhe ab, bestand dieselbe mit der Note „Sehr gut“ und hatte somit die Lizenz zum öffentlich-musikalischen Auftreten. Bis zur Lösung der Dirigentenfrage übernahm Hugo Reinacher, aus einer Sänger- und Musikerfamilie stammend, die muskalische Leitung und trug dadurch wesentlich zur Förderung des Vereins bei. Friedrich Hager wurde zum 1. Vorstand gewählt, welches Amt er 1948 aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung stellte. Einstimmig fiel die Wahl auf Hugo Reinacher. In der Zwischenzeit hatten die Ermittlungen nach einem Dirigenten Erfolg. Verpflichtet wurde 1947 Hermann Hummel aus Liedolsheim. Unter seiner zielstrebigen Regie bekam die Kapelle einen beachtlichen Aufschwung, was besonders bei dem großen Werbekonzert in Wiesental zum Ausdruck kam und gebührende Beachtung fand. Als Hermann Hummel 1955 das Amt des Dirigenten aus gesundheitlichen Gründen niederlegte, wurde er verdienterweise zum Ehrendirigenten ernannt. Das nun folgende Interregnum, die dirigentenlose Zeit, überbrückte nun Hermann Reinacher, der Bruder des Vorstandes, in beachtlicher Weise, indem er auf allseitigen Wunsch und nach einstimmiger Wahl die musikalische Leitung übernahm. Seine angeborenen Fähigkeiten und seine als ehemaliger Regimentsmusiker erworbenen Kenntnisse konnte er an dieser Stelle erfolgreich verwerfen.

Die während dieser Zeit durchgeführte Nachsuche und Sondierung eines der Kapelle würdigen Berufsdirigenten zeigten bald das gewünschte Ergebnis. Die Wahl fiel auf Valentin Heiler aus Kirrlach, der im Januar 1956 die Stabführung übernahm. Unter seiner zielstrebigen Leitung erlebte der Verein nicht nur eine enorme Aufwärtsentwicklung, sondern durch Werbung und Heranbildung neuer, junger Aktiver entstand ein orchestraler Klangkörper, der vorbildlich war und jegliche musikalische Anforderungen meisterte. Aus beruflichen Gründen musste Herr Heiler im Jahre 1967 sein Amt als Dirigent niederlegen. Mit Herrn Roland Weber, Dozent an der Musikhochschule Karlsruhe, konnte im Anschluss daran ein Dirigent gewonnen werden, der neue Impulse in den Klangkörper brachte. Unter seiner bewährten Leitung verzeichnete der Verein einen weiteren musikalischen Aufschwung. Durch den Wegzug aus der hiesigen Gemeinde im Jahre 1973 war Herr Weber nicht mehr in der Lage, die Stabführung weiterhin auszuüben.

Wie schwer es in der heutigen Zeit ist, einen geeigneten Orchesterchef zu finden, zeigten die langen und intensiven Bemühungen der Vereinsführung. Während dieser Übergangszeit übernahm auf Wunsch der Verwaltung der Musikerkamerad und Vizedirigent Konrad Soutschek die musikalische Leitung. Ihm ist es auch zu verdanken, dass das Blasorchester sein Niveau halten und den vielen Verpflichtungen nachkommen konnte.
Im Herbst 1974 gelang es der Vereinsführung den ehemaligen Bundeswehrberufsmusiker, Herrn Hubert Walter aus Karlsruhe, als Dirigenten zu verpflichten. Herr Walter verfügt nicht nur über ein reichhaltiges Wissen und musikalisches Einfühlungsvermögen, sondern er versteht es auch in einzigartiger Weise, dieses Kapital an die ihm anvertrauten Musiker weiterzugeben. Auch die Einführung in die Musik und die Ausbildung der Jungmusiker liegt in seinen bewährten Händen. Die Erfolge, die das Blasorchester bisher unter seiner Direktion verzeichnen konnte, sprechen für sich.

Immer und immer wieder zeigt sich die Tatsache, dass die Lebensfähigkeit und das Gedeihen eines Vereins auch von der verwaltungsfähigen Führung abhängig ist. Nachdem die verdienstvolle Arbeit von Georg Klenk durch seine Ernennung zum Ehrenvorstand ihre geziemende Anerkennung fand, sah man sich zum größten Bedauern aller Mitglieder auch Hugo Reinacher aus beruflichen Gründen genötigt, sein Amt als Vorstand, das er in der dritten Periode seit 1948 innehatte, 1955 zur Verfügung zu stellen. Insgesamt fünfzehn Jahre lang hat er in vorbildlicher und dankenswerter Weise das Amt des 1. Vorstandes ausgeübt. Die Daraufhin erfolgte Neuwahl erkor einstimmig Oskar Schmidt, den derzeitigen Vorstand, der, wie sein Vorgänger, in uneigennütziger, einsatzfreudiger Weise und zielbewusstem Streben die Geschichte des Vereins in der Zeit von 1955 bis 1966 leitete und wieder ab 1971 in den Händen hält. Von 1966 bis 1967 wurde dann Eduard Eingrübler als Vorstand gewählt. In den Jahren 1967 bis 1971 war Gustav Oehlbach mit dem Amt des 1. Vorsitzenden betraut, ebenfalls seine ganze Energie und Tatkraft für das Wohlergehen des Vereins einsetzte.

                          Musikkapelle im Jubiläumsjahr 1957

 



Neben dem im Laufe eines Jahres anfallenden Verpflichtungen des Vereins, wie Gestaltung des jeweiligen Sommerfestes, Besuch der befreundeten Kapellen und es Bezirkmusikfestes, Mitwirkung bei örtlichen Festlichkeiten, Planung und Durchführung eines Ausfluges u.a. mehr, verdienen folgende Ereignisse und musikalische Höhepunkte der Vereinsgeschichte der letzten zwanzig Jahre festgehalten und erwähnt zu werden:

14. Juli 1957        
Erstmaliges Teilnehmen der Kapellen an einem Wertungsspiel in Ettlingen, Note sehr gut – vorzüglich.

31. August – 2.September 1957
30jähriges Vereinsjubiläum, verbunden mit dem Bezirksmusikfest der „Unteren Hardt“

1. Januar 1958    
Erstmalige Gründung einer Schülerkapelle

22. Oktober 1961
Uraufführung des Heimatfilms – einmaliges Erlebnis für die ganze Gemeinde

12. Juli 1964
Teilnahme an dem Wertungsspielen in Beuren, I. Rang mit 114 Punkten

18. Dezember 1965
Mitwirkung der Kapelle bei der Sendung des Südd. Rundfunks „Mit Volksmusik ins Land hinaus“.

27. Mai 1967
Kauf von Westen für die Musiker

10. Mai 1970
Großes Konzert unter Mitwirkung des Kammersängers Karl-Heinz Lesinger, Bensheim, und drei Solisten der Musikhochschule Karlsruhe

16. Mai 1971
Teilnahme an dem Bundesmusikfest in Karlsruhe und Wertungsspiel (I. Rang).

1. Juni 1976
Neugründung einer Schülerkapelle

20. Juli 1976
Anschaffung einheitlicher Hosen für die Musiker

Wenn ein Verein auf solch beachtlicher Höhe steht, so darf er am heutigen Jubiläumstag mit Recht und Stolz zurückblicken auf seine Laufbahn und seinen Aufstieg. Eine solche Errungenschaft verpflichtet aber auch jedes Mitglied, sich mit Eifer einzusetzen – getreu dem Vorbild jener Initiatoren, die vor Jahrzenten den Grundstein zu dem heute so hochstehenden Vereinskörper legten – damit dem jetzigen Orchester dieses Niveau nicht nur erhalten bleibt, sondern fördersam und zielbewusst es auch in Zukunft blicken kann. Immer nachstrebend dem Ideal, das neben dem Gesang zu den größten Kulturgütern gehört und da heißt Musik, sei man eingedenk der Worte von August Seuffert, welche der große Meister Anton Bruckner in „Trösterin Musik“ vertonte:
„Musik du himmlische Gebilde
Voll hoher Macht, voll süßer Milde“